Der Anti-Bias-Ansatz

Seinen Ursprung hat der Anti-Bias-Ansatz in den 1980er Jahren in den USA im Feld der Elementarpädagogik. In den 1990er Jahren wurde der Ansatz in Südafrika aufgegriffen und an den Kontext angepasst. Es ging um die Abschaffung der Apartheid, nicht nur auf gesetzlicher Ebene sondern insbesondere im Denken und Fühlen der Menschen.

Aus Anti-Bias-Perspektive ist die Entstehung gesellschaftlicher Ungleichheiten eng an die Existenz gesellschaftlich geteilter Normen, Vorurteile und Zuschreibungen geknüpft. Dies kommt im Begriff bias zum Ausdruck. Dieser kann zugleich als Vorurteil und als Schieflage übersetzt werden. Anti-bias soll zum Einschreiten gegen Diskriminierung ermutigen und fordert zur Veränderung der Verhältnisse auf.

Selbstreflexion und Handlungsorientierung sind zwei zentrale Bausteine des Ansatzes. Handlungsorientierung soll jedoch nicht im Sinne eines 'rezeptgeleiteten' Handelns verstanden werden – nach einem solchen 'Rezept' wird man im Anti-Bias-Ansatz vergeblich suchen – sondern resultiert aus der individuellen Auseinandersetzung mit dem je eigenen Betroffen-Sein von und Involviert-Sein in gesellschaftliche Verhältnisse.

‚Diskriminierung geht alle Menschen etwas an!‘, lautet eine zentrale Annahme des Anti-Bias Ansatzes.

Der Anti-Bias-Ansatz bezieht unterschiedliche Kategorien der Differenzierung und Diskriminierung ein. Im Rahmen von Anti-Bias-Workshops findet sowohl eine Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen von Unterdrückung als auch von Privilegierung statt. Deutlich wird dabei, dass beiderlei Erfahrungen verinnerlicht werden und feste Bestandteile eines gesellschaftlich geteilten Systems sozialer Ungleichheit bilden.

In diesem Sinne steht Anti-Bias-Arbeit stets vor der Herausforderung, sowohl Sensibilisierungsprozesse für eine Veränderung der jeweils privilegierten Perspektive anzustoßen als auch Empowermentprozesse aus unterdrückter Perspektive zu unterstützen.